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Kurzbiographie von
LEOLUCA ORLANDO
Präsident des „Istituto per il Rinascimento Siciliano“
Abgeordneter des italienischen Parlaments
Ehemaliger Bürgermeister von Palermo und Abgeordneter des Europaparlaments und Oppositionsführer im sizilianischen Regionalparlament
Initiator des „Weltweiten Kultur- und Wirtschaftsnetzes der Menschenrechte“
Leoluca Orlando, 1947 in Palermo geboren, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt und studiert einige Jahre in Heidelberg und arbeitet dann als Ordentlicher Professor für Öffentliches Regionalrecht an der juristischen Fakultät der Universität von Palermo und als Kassationsanwalt.
Er wird internationaler Berater der OSZE in Paris
Von 1978-1980 ist er juristischer Berater des Präsidenten der Region Sizilien, Piersanti Mattarella, bis dieser 1980 von der Mafia ermordet wird.
Politische Aktivität
1980 wird er für die Liste der Democrazia Cristiana, damals stärkste Partei Italiens, in den Stadtrat gewählt, und von 1985 bis 1990 bekleidet er das Amt des Oberbürgermeisters von Palermo. Während dieser Amtszeit, die als „Primavera di Palermo“ („Frühling von Palermo“) bekannt wird, bildet Orlando eine Stadtregierung, die auch Vertreter der Linken einbezieht und dadurch einen harten Bruch mit den politischen Praktiken der Vergangenheit vollzieht. Zur selben Zeit prangert er die Bedrohung an, die von der mit der Mafia verstrickten Wirtschaft ausgeht, durch die die Clans – mit stillschweigender Duldung der Vertreter der Institutionen – ihre Macht ausüben, und er setzt sich für eine kräftige Stärkung der Antimafia-Bewegung ein, wobei er sich nicht nur auf politischer, sondern auch auf kultureller und sozialer Ebene engagiert.
1990 führt er die Liste der Democrazia Cristiana bei den Kommunalwahlen von Palermo an und wird trotz des Boykotts von Seiten einiger nationaler Repräsentanten seiner eigenen Partei in den Stadtrat wiedergewählt, wobei er die meisten Stimmen (71000) aller Kandidaten erhält. Dennoch stoßen seine Bemühungen, die Democrazia Cristiana von innen heraus zu erneuern, auf immer stärkeren Widerstand und 1991 tritt er dann endgültig aus der Partei aus, um dann die Demokratiebewegung „La Rete“ („Das Netz“) zu gründen.
Hauptziel der neuen Bewegung ist es, die Frage der Moral durch „Transversalität“, d.h. durch die Beteiligung aller in den verschiedenen Parteien präsenten positiven Kräfte, in die italienische Politik zurückzubringen. „La Rete“ zeichnet sich daher durch ihre Rolle als „Begrenzungsbande“ gegen Korruption und dunkle Machenschaften in der italienischen Politik aus. Als Kandidat der neuen Bewegung wird Orlando 1991 zum Abgeordneten ins sizilianische Regionalparlament und 1992 dann in den Wahlbezirken von Nord-, Mittel- bis Süditalien ins Nationalparlament gewählt.
1993 wird er bei den ersten in Italien direkt abgehaltenen Bürgermeisterwahlen im ersten Wahlgang mit 75% der Stimmen zum Oberbürgermeister von Palermo gewählt und setzt unverzüglich eine Reihe von Reformen in Gang, um die ökonomischen Interessen der Mafia-Clans aus der Stadtverwaltung von Palermo zu entfernen. Insbesondere gelingt es ihm, den Prozess zu Ende zu führen, der verhindert, dass Aufträge für Wartungsarbeiten an Firmen vergeben werden, die den Mafiafamilien verdächtig nahe stehen, ein Prozess, den er schon während des ersten Oberbürgermeister-Mandats eingeleitet hatte, wobei er sich mit diversen Schwierigkeiten konfrontiert sah, da sich die Bürgermeister zu jener Zeit der Kontrolle und dem Veto politischer Kräfte, welche häufig von illegalen Gruppierungen abhängig waren, ausgesetzt sahen.
Darüber hinaus gibt er den Impuls zu einem komplexen Projekt der zivilen Erneuerung. Dieser trägt durch eine lange Reihe von Programmen, die auf die Förderung einer neuen Legalitätskultur auch und vor allem im Bereich von Kultur und Erziehung ausgerichtet sind, entscheidend dazu bei, die Stadt von der kulturellen Hegemonie der Mafia mit Hilfe eines Prozesses zu befreien, der dann als „Renaissance von Palermo“ bekannt wird.
1994 wird er zum Europaabgeordneten gewählt und im Verlaufe seines Mandats ist er Vizepräsident der Kommission für den Eintritt Maltas in die Europäische Union, Mitglied der Kommission für Öffentliche Freiheiten und Innere Angelegenheiten, Mitglied der Kommission für Regionalpolitik und Ergänzungsmitglied der Kommission für Sicherheit und Abrüstung. Seine intensive Aktivität im Europaparlament beinhaltet insbesondere ein vehementes Eintreten für eine stärkere Rolle des Mittelmeerraumes in der Europäischen Union und für die Annahme eines Aktionsprogramms zum Kampf gegen die Organisierte Kriminalität, ein Programm, das von den neuen italienischen Rechtsvorschriften und der in Palermo gemachten Erfahrung getragen ist.
Bei den Kommunalwahlen vom 30.November 1997 wird er mit 207448 Stimmen (gleich 58,5% der Wähler) als Oberbürgermeister zum 2. und damit letzten Mal (aufgrund des herrschenden Wahlrechts) für vier Jahre direkt in seinem Amt bestätigt.
Im Mai 1999 tritt er der von Romano Prodi gegründeten Partei „I Democratici“ bei.
Im Dezember 2000 tritt er von seinem Amt als Oberbürgermeister zurück, um sich als Kandidat für die Regionalwahlen im Juni 2001 bewerben zu dürfen, wo er ca. 1 Million Stimmen erhält und als Oppositionsführer ins sizilianische Parlament einzieht.
Seit November 2002 ist er der Verantwortliche für die Bereiche „Menschenrechte“ und „Mittelmeerraum“ im Rahmen des Auslandssektors der Margherita-Partei.
Ausgehend von der sizilianischen Erfahrung formulierte und verbreitete Leoluca Orlando das Modell namens „Kultur und Wirtschaft der Menschenrechte“, und seit 2003 beschäftigt er sich mit der Promotion eines „Weltweiten Kultur- und Wirtschaftsnetzes der Menschenrechte“, an dem zahlreiche Institutionen in verschiedenen Ländern der Welt beteiligt sind.
Im April 2006 wird er zum Abgeordneten ins italienische Parlaments gewählt.
Seit dem 3. Juli 2006 ist er politischer Sprecher der nationalen Partei "Italia dei Valori"
Vom 25. Oktober 2006 bis April 2008 ist er Präsident der Zweikammern-Komission des italienischen Parlaments für regionale Angelegenheiten gewesen.
Im Mai 2008 wird er wieder zum Abgeordneten ins italienische Parlament gewählt.
Im März 2009 wird er Präsident der parlamentarischen Kommission des italienischen Parlaments für die Ermittlung im Gesundheitswesen.
Im November 2009 wird er zum Vize-Präsidenten der ELDR (Die Europäische Liberale, Demokratische und Reformpartei) in Barcelona gewählt.
Würdigungen und Auszeichnungen
1994 wird ihm für seine Teilnahme am Film „Gezählte Tage“ („Giorni contati“) der Fernsehfilmpreis als bester Schauspieler im besten Film des Jahres verliehen.
Von Juni 1998 bis Januar 2001 ist er Präsident von Car Free Cities, dem Verbund europäischer Städte zur Förderung einer nachhaltigen urbanen Mobilität.
Im September 1998 zeichnet ihn König Juan Carlos von Spanien mit dem „Gran Croce al Merito Civile“ (dem Großen Bürgerlichen Verdienstkreuz) aus.
Im März 1999 wird ihm von Seiten des Goethe-Instituts in Weimar die „Goethe-Medaille“ „für seine Bemühungen zur Errichtung einer gerechteren und humaneren Gesellschaft, und für seinen Beitrag zur Verbreitung und Förderung der deutschen, italienischen und sizilianischen Kultur“ verliehen.
Im November 1999 wird er zum Ehrenbürger von Chengdu (Volksrepublik China) ernannt.
Im Dezember 1999 wird er zum Präsidenten des „Istituto per il Rinascimento Siciliano“ ernannt.
Im April 2000 verleiht ihm die Parteiengruppierung von Demokraten und Liberalen des Europäischen Parlaments den „European Civic Price“ (den Europäischen Bürgerpreis) „für seinen Einsatz gegen die Organisierte Kriminalität und zugunsten der zivilen Erneuerung von Palermo.“
Im Mai 2000 ernennt man ihn zum Ehrenbürger des Los Angeles County (USA).
Im Juli 2000 bekommt er in Philadelphia (USA) von Seiten des amerikanischen Lehrerverbandes den „Bayard Rustin Human Rights Award“ (Bayard Rustin Menschenrechtspreis) dafür überreicht, „dass er die Freiheit einer geordneten bürgerlichen Gesellschaft nach Palermo gebracht hatte, und für seine Bereitschaft, andere Länder, die mit analogen Bedrohungen für Demokratie und Menschenrechte konfrontiert sind, an den 'Lektionen von Palermo' teilhaben zu lassen“.
Im September 2000 ernennt ihn das kolumbianische Palermo zum Ehrenbürgermeister auf Lebenszeit, da er die Stadt „aus dem Tunnel der Isolation geführt und auf den Weg des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts gebracht habe, indem er bei verschiedenen Maßnahmen seitens der internationalen Gemeinschaft behilflich gewesen war“.
Im Oktober 2001 wird er zum Professor honoris causa der Solkan-Saba Orbeliani University von Tbilisi (Georgien) ernannt.
Im selben Monat Oktober erhält er in St. Petersburg den Puschkin-Preis 2001 dafür, dass er „aus Palermo ein internationales Zentrum für Bühnenkunst gemacht hatte“.
Seit 2002 ist er Präsident der FIDAF (Italian Federation of American football)
Im März 2002 erhält er den Preis „Legion de la libertad“ von dem kulturellen Institut " Ludwig von Mises" in Mexiko City.
Im November 2004 erhält er die Ehrendoktorwürde durch die Universität Trier (Dr. phil. honoris causa).
Im Juni 2005 erhält er den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück.
Im November 2005erhält er in Teramo den Preis „Paolo Borsellino“
Seit 2005 ist er Individual Member von Transparency International.
August 2006 erhält er in Corciano (Umbria) den Preis „L’Umbria nel cuore“
Im 2007 er ist Gründungsmitglied des "Europäischen Rates für Auslandsangelegenheiten ( ECFR);
Im März 2008 erhält er in Göttingen den Humanismus Preis des Deutschen Altphilologenverbandes
Im September 2008 erhält er in Köln den Konrad Adenauer Preis
Veröffentlichungen
Neben zahlreichen wissenschaftlichen Artikeln hat Leoluca Orlando die folgenden juristischen Monographien veröffentlicht:
Contributo allo studio del coordinamento amministrativo, Mailand, 1974
Teoria organica e Stato apparato, Palermo, 1979.
Er ist außerdem Autor folgender Werke, die sein politisches Engagement zum Inhalt haben:
Palermo, Mondadori, Mailand, 1990
Fede e Politica, Marietti, Genua, 1992
Fighting the Mafia and Renewing Sicilian Culture, Encounter Books, San Francisco, 2001 (Herder Verlag, Deutschland, Oktober 2002)
Ich sollte der Nächste sein, Herder Verlag, Freiburg, 2002
Hacia una cultura de la legalidad-La experiencia siciliana, Pontificia Universidad Catolica del Perù, 2003
Der sizilianische Karren, Ammann Verlag, Zürich, 2004.
Arabische Ausgabe des Buches „Ich sollte derNächste sein“ besorgt von The Lebanese Foundation for Permanent Civil Peace - Beirut, Dezember 2004
Hacia una cultura de la legalidad-La experiencia siciliana, Universidad Autonoma Metropolitana, Mexico D.F, März 2005
Leoluca Orlando racconta la mafia, UTET, Torino, 2007
Leoluca Orlando erzählt die Mafia, Herder Verlag, Freiburg, 2008
WWW.LEOLUCAORLANDO.IT
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